Hattingen – Das Internationale Frauencafé im Bürgerzentrum Holschentor feierte am 18. April 2026 10 Jährigen Geburtstag – und zeigt, was Zusammenhalt wirklich bedeute. Und wer an diesem Nachmittag dabei war, konnte sehr schnell spüren: Hier wurde nicht einfach nur ein Jubiläum gefeiert. Hier wurde ein Stück gelebte Hattinger Wirklichkeit sichtbar.
Das Bürgercafé war voll. Viele Frauen, viele bekannte Gesichter, manche regelmäßig da, andere schon lange nicht mehr gesehen. Genau das machte diesen Nachmittag so besonders. Zwischen Gesprächen, Lachen, Umarmungen und neugierigen Blicken lag etwas in der Luft, das sich schwer beschreiben lässt, aber deutlich zu spüren war: ein ständiges Knistern im Grundrauschen.
Entstanden ist das Internationale Frauencafé in einer Zeit, als viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen und das Bürgerzentrum Holschentor eröffnet wurde. Das Frauencafé fand dort ein Zuhause – und für viele Frauen wurde es selbst zu einem. Hier wurden Behördenbriefe erklärt, die niemand verstand. Hier wurde Deutsch gelernt. Hier wurde zugehört, geholfen, mitgedacht und manchmal einfach nur zusammen ein Kaffee getrunken. Für viele war und ist das weit mehr als ein Treffpunkt.
10 Jahre Internationales Frauencafé (Foto: RuhrkanalNEWS)

Ein Blick auf die vergangenen zehn Jahre zeigt, wie viel aus dieser ersten Idee entstanden ist. Was 2015 mit den ersten Schritten begann und 2016 mit dem Einzug ins Holschentor ein Zuhause fand, wurde schnell zu weit mehr als einem wöchentlichen Treff. In einer Zeit, in der viele geflüchtete Frauen und Kinder ankamen, ging es zunächst ganz praktisch um Orientierung im Alltag: Briefe verstehen, Formulare ausfüllen, Wege erklären, zuhören und helfen.
Doch das Frauencafé blieb nicht bei dieser ersten Hilfe stehen. Über die Jahre kamen Kinderbetreuung, Fahrradkurse für Frauen, Netzwerke mit anderen Einrichtungen, gemeinsame Projekte, Filmbeiträge und Ausstellungen dazu. Während der Corona-Zeit entstanden neue Wege, miteinander in Kontakt zu bleiben, etwa über die WhatsApp-Gruppe „Yaya“, über die Hilfe organisiert, gemeinsam gelernt und sogar Deutschunterricht möglich gemacht wurde. Später folgten Spendenaktionen nach dem Erdbeben in Syrien, das Demokratikleid, die Ausstellung „Angekommen“, die Beteiligung am Fest der Vielfalt und Kontakte zum Gartenprojekt „Green Team“.
Gerade diese Entwicklung zeigt, was das Internationale Frauencafé in all den Jahren geworden ist: kein starres Angebot, sondern ein lebendiger Ort, der sich mit den Frauen, ihren Geschichten und den Herausforderungen der Zeit weiterentwickelt hat.
Wer Frauen kennt, weiß: Wenn sie sich etwas vornehmen, dann ziehen sie das auch durch. Das Internationale Frauencafé ist dafür seit zehn Jahren der beste Beweis. Es ist kein starres Projekt, sondern ständig in Bewegung. Es verändert sich, wächst, bekommt neue Gesichter, neue Geschichten, neue Aufgaben. Manche Frauen kommen jede Woche, andere nur ab und zu. Aber zur Zehnjahresfeier kamen viele zurück. Und plötzlich war sie wieder da, diese besondere Mischung aus Vergangenheit, Gegenwart und Gemeinschaft.
10 Jahre Internationales Frauencafé (Foto: RuhrkanalNEWS)

Begonnen hatte der Nachmittag mit Begrüßungsreden. Danach folgten türkische und kurdische Lieder, vorgetragen von Rokan auf einer Saz. Später wartete ein kaltes Buffet mit Spezialitäten aus aller Welt – und an diesem Buffet wurde nicht einfach gegessen, dort wurde erzählt, gelacht, empfohlen und probiert. Auch Bauchtanz stand noch auf dem Programm. Es war einer dieser Nachmittage, an denen man nicht auf die Uhr schaut, weil man merkt, dass gerade etwas Wichtigeres passiert.
In einer der Reden wurde deutlich, worum es in all den Jahren immer ging: um Vielfalt, um Miteinander und darum, dass Zusammenleben funktionieren kann, wenn Menschen es wirklich wollen. Verschiedene Kulturen, verschiedene Religionen, verschiedene Biografien – und trotzdem kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander. Nicht als Theorie, sondern ganz praktisch. Beim Nähen. Beim Reden. Beim Helfen. Beim Zusammensitzen.
Das Team des Frauencafés nutzte die Feier auch, um Danke zu sagen. Den Besucherinnen, die dem Café über Jahre ihr Vertrauen geschenkt haben. Den Frauen, mit denen man gemeinsam gelernt, gelacht und auch schwierige Zeiten durchgestanden hat. Es wurde aber auch an diejenigen erinnert, die nicht mehr da sind. Besonders an Rajaa, die viel zu früh gestorben ist und bis heute schmerzlich vermisst wird.
Der Dank ging auch an viele Unterstützer im Hintergrund: an Andreas Gehrke und Britta Scholzmeier, die das Projekt seit zehn Jahren ohne Miete im Holschentor möglich machen, an Unterstützer aus Verwaltung und Netzwerk, an Wegbegleiter, die das Frauencafé über die Jahre getragen haben. Und natürlich an die Sponsoren, allen voran die Sparkasse, die das opulente Buffet möglich machte. Auch Lions, Rotary, die Stadt Hattingen und weitere Unterstützer wurden genannt.

Wie wichtig das Internationale Frauencafé für viele Frauen geworden ist, zeigten auch die Gespräche an diesem Tag.
Türkan Gültekin aus der Türkei, seit acht Jahren dabei und ehrenamtlich engagiert, beschreibt das Frauencafé als einen Ort, an dem Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen zusammenkommen, miteinander essen, reden und Ideen entwickeln. Für sie ist das Café längst mehr als ein Mittwochstreff. Es ist ein Stück Zuhause geworden. Wenn jemand krank ist oder Hilfe braucht, wird Kontakt aufgenommen. Wenn Unterstützung nötig ist, wird gemeinsam überlegt, wie sie organisiert werden kann. Sie sagt, sie fühle sich hier nie allein. Deutsch gelernt habe sie auch hier – nicht nur im Sprachkurs, sondern mitten im Leben, mitten im Austausch.
Besonders am Herzen liegt ihr ihr Projekt „Demokratikleid“. Frauen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen haben daran mitgearbeitet. Die Idee dahinter: Vielfalt sichtbar machen. Verschiedene Farben, verschiedene Stoffe, verschiedene Geschichten – und am Ende entsteht etwas Gemeinsames. So wie im Frauencafé selbst.
Segen Tadese aus Eritrea erzählte, wie wichtig dieser Ort für sie war, als sie in Hattingen ankamen. Eine von ihnen lebt seit zwölf Jahren hier. Als sie nach Deutschland kam, verstand sie kein Deutsch und stand wie so viele Neuangekommene vor einem Berg aus Briefen, Formularen und Unsicherheiten. Mittwochs brachte sie die Unterlagen mit ins Frauencafé. Dort wurde übersetzt, erklärt, ausgefüllt und geholfen. Nebenbei konnte sie Deutsch sprechen, andere Frauen kennenlernen und ihre Kinder mit anderen Kindern spielen lassen. Für sie war das eine große Hilfe in einer Zeit, in der fast alles fremd war.
Tigisti Kaliayu aus Eritrea berichtete, wie sie durch das Frauencafé Kontakte knüpfen konnte, die ihr im Alltag ganz konkret weiterhalfen – bei der Wohnungssuche, beim Deutschlernen, bei Briefen und Hausaufgaben. Auch sie kommt heute noch, wenn es die Arbeit erlaubt. Nicht immer regelmäßig, aber immer mit Freude.
Genau darin liegt vermutlich die Kraft dieses Ortes. Das Internationale Frauencafé ist kein Projekt, das man in einem Flyer vollständig erklären kann. Man muss es erleben. Man muss sehen, wie Frauen aus unterschiedlichen Ländern an einem Tisch sitzen, miteinander reden, lachen, essen und sich gegenseitig helfen. Dann versteht man schnell, dass Integration manchmal nicht in großen Konzepten beginnt, sondern bei einer Tasse Kaffee, einem übersetzten Brief und dem Gefühl, willkommen zu sein.
Nach zehn Jahren ist das Internationale Frauencafé längst mehr als nur ein Angebot im Holschentor. Es ist für viele Frauen ein Anker geworden. Ein Ort, an dem man ankommen kann. Und manchmal sogar ein Ort, an dem aus Fremden Freunde werden.




























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