Hattingen – In der Wildtierstation Paasmühle in Hattingen starten in den kommenden Wochen zwei ungewöhnliche Nachmittags-Seminare, die Wissenschaft, Tierschutz und eine gute Portion Realitätssinn miteinander verbinden. Neben einem exklusiven Fach-Seminar über die „Binnenperspektive“ der Vogelwelt lädt die Paasmühle gemeinsam mit dem Retscheider Hof zu einem pointierten Tierschutz-Nachmittag ein, der mit gängigen Naturromantiken aufräumt.
Seminar „Wie es ist, ein Vogel zu sein?“
Unter dem Titel „Wie es ist, ein Vogel zu sein?“ bietet die Paasmühle ein etwa vierstündiges Fach-Seminar mit dem Biologen Dr. Jörg Kretzschmar an. In kleiner Runde wird der Frage nachgegangen, wie das „System Vogel“ tatsächlich funktioniert – von der Evolution bis zum heutigen Alltag der heimischen Arten.
Auf dem Programm stehen unter anderem die Entwicklung vom Urvogel zum modernen Flieger, die Besonderheiten von Federn, Knochen und Eiern, das „Wunder“ von Vogelflug und Vogelzug sowie die verschiedenen Strategien, mit denen Vögel sich an veränderte Lebensräume anpassen. Im zweiten Teil werden Theorie und Praxis verknüpft: Die Teilnehmenden erleben Anatomie und Verhalten direkt an den Pfleglingen der Wildvogelstation und können ihr Wissen im direkten Beobachten vertiefen.
Abgerundet wird der Nachmittag von einer offenen Gesprächsrunde „Meet the Experts“, in der Dr. Kretzschmar und weitere Fachleute Fragen beantworten, Erfahrungen teilen und zum Austausch unter Naturbegeisterten einladen. Die Teilnahme ist auf zehn Personen begrenzt, das Seminar findet ab fünf Anmeldungen statt, dauert rund vier Stunden inklusive Fragerunde und Snack-Pause und kostet 80 Euro pro Person – Snacks, Softdrinks und auf Wunsch ein Zertifikat sind inklusive.
Die Termine sind jeweils freitags ab 15.30 Uhr in der Paasmühle in Hattingen geplant: 10. April, 8. Mai und 5. Juni 2026. Anmeldungen sind per E-Mail möglich.

Ein Amerikanischer Uhu beim Kindertag in der Paasmühle (Foto: RuhrkanalNEWS)
„Birds meets Säuger“: Tierschutz ohne Weichzeichner
Mit „Birds meets Säuger: Vier Stunden Realitätsschock“ setzt die Paasmühle gemeinsam mit Stefanie Huck vom Retscheider Hof einen bewusst kontraststarken Akzent. Statt idyllischer Naturbilder geht es an diesem Sonntagsnachmittag darum, wie es wirklich aussieht, wenn Wildtiere auf die urbane Wirklichkeit im Ruhrgebiet treffen.
Stefanie Huck berichtet aus ihrer täglichen Arbeit in der Wildtierhilfe und greift exemplarisch Konflikte mit Dachs und Fuchs im heimischen Garten, den Siegeszug von Waschbär und Nutria, die Verwechslung von Wild- und Hauskatzen sowie die aufgeheizte Debatte rund um den Wolf auf. Die Teilnehmenden erhalten praxisnahe Einblicke, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Wildtieren vor der eigenen Haustür aussehen kann – jenseits von Schlagzeilen und Social-Media-Mythen.
Zum „Überlebenspaket“ gehört eine Führung durch die Paasmühle, bei der gezeigt wird, wie verletzte oder geschwächte Wildvögel in der Station versorgt und auf eine mögliche Rückkehr in die Freiheit vorbereitet werden. Im Anschluss gibt es vier Stunden intensiven Austausch in kleiner Runde bei Kaffee und Wein, maximal 16 Personen sind zugelassen, um Diskussionen auf Augenhöhe zu ermöglichen.
Die Veranstaltung findet am Sonntag, 17. Mai 2026, ab 14 Uhr in der Paasmühle statt. Der Teilnahmebeitrag beträgt 50 Euro, der komplette Erlös fließt nach Angaben der Organisatorinnen direkt in die Arbeit der beteiligten Stationen.
Anmeldung und Zielgruppe
Beide Nachmittage richten sich an naturinteressierte Bürgerinnen und Bürger, die mehr über die heimische Tierwelt erfahren möchten – fachlich fundiert, anschaulich und ohne erhobenen Zeigefinger. Die Paasmühle betont, dass kein spezielles Vorwissen nötig ist, wohl aber die Bereitschaft, gewohnte Bilder von Natur und Wildtieren zu hinterfragen.
Anmeldungen für beide Formate sind Anmeldungen sind per E-Mail möglich; die Plätze sind begrenzt.




























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